Hyposensibilisierung

Die drei Säulen in der Behandlung von Allergiekrankheiten sind die Meidung des Allergens, die symptomatische Behandlung der Beschwerden mit antiallergisch wirksamen Medikamenten und die Hyposensibilisierung. Viele Allergene können nicht zuverlässig gemieden werden und die manchmal langfristige Anwendung von Medikamenten kann auch problematisch sein. Unter einer Hyposensibilisierung, früher auch als "Desensibilisierung" bezeichnet, versteht man die wiederholte Zufuhr eines Allergens in allmählich zunehmender Dosis bei einem Patienten mit nachgewiesener Allergie gegen dieses Allergen.

Ziel der Hyposensibilisierung ist eine Gewöhnung an das Allergen und damit möglichst eine Beseitigung der allergischen Reaktionslage. Auch eine Verminderung des Medikamentenverbrauches oder die Abwendung eines weiteren Fortschreitens der Allergie - z.B. von Heuschnupfen zu Asthma - können aber bereits eine Besserung der Allergie darstellen.

Bereits am Anfang dieses Jahrhunderts wurde die Hyposensibilisierung erstmals bei Heuschnupfen durchgeführt. Heute wird die Hyposensibilisierung außer bei allergischem Fließschnupfen oder allergischem Asthma, auch bei der Insektengiftallergie, seltener bei einer Nahrungsmittelallergie und bei einem atopische Ekzem eingesetzt. Wie die Behandlung wirkt, ist auch heute trotz vieler Fortschritte in der Allergieforschung noch nicht völlig klar. Es ist jedoch offensichtlich erforderlich zur Beseitigung einer allergischen Reaktionslage eine hohe Allergendosis in kurzen Zeitabständen zu verabreichen und dies über einen längeren Zeitraum hinweg zu wiederholen. Das Immunsystem reagiert darauf mit einer Umstellung, so daß die Allergene, die vorher eine krankmachende Abwehrreaktion ausgelöst haben, dann vertragen werden.

Hyposensibilisieren - mit was?

Allergenextrakte werden aus natürlich vorkommenden, mit Ausnahme von Insektengiften sonst unschädlichen Substanzen hergestellt. Zur Behandlung gibt es Extrakte verschiedener Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare, Insektengifte, Schimmelpilze und Nahrungsmittel. Für die Herstellung von Therapielösungen werden die betreffenden Allergene gereinigt und haltbar gemacht. Da manche Allergene bei diesem Verarbeitungsprozess zerstört werden, können von solchen Allergenen auch keine Therapielösungen hergestellt werden. Denn die Lösungen sind offensichtlich nur dann gut wirksam, wenn sie auch tatsächlich die jeweils krankheitsauslösenden Allergene enthalten.

Bei welchen Krankheiten?

Der Einsatz der Hyposensibilisierung ist nur bei Krankheiten sinnvoll, bei denen eine allergische Reaktionslage ursächlich ist, das auslösende Allergen bekannt ist und eine geeignete Therapielösung erhältlich ist. Sehr gut belegt ist bei allergischem Fließschnupfen die Wirksamkeit einer Hyposensibilisierung mit Pollen oder Hausstaubmilben; ein frühzeitiger Behandlungsbeginn verhindert bei einem Teil der behandelten Patienten auch das spätere Auftreten von allergischem Asthma. Es wird heute empfohlen, die Behandlung schon in einer frühen Phase der Erkrankung einzuleiten. Bestehen zusätzlich Kreuzallergien gegen Nahrungsmittel, die Allergenverwandtschaften zu den relevanten Pollen aufweisen, so kann bei manchen Patienten auch eine Besserung der begleitenden Nahrungsmittelallergie durch die Pollenhyposensibilisierung bewirkt werden.

Auch wenn schon ein allergisches Asthma eingetreten ist, kann die Hyposensibilisierung noch wirksam sein. Nicht empfohlen wird sie dagegen, wenn es durch jahrelanges Bestehen von Asthma schon zu einer dauerhaften Einschränkung der Lungenfunktion gekommen ist und gar nicht mehr so sehr die Allergie, sondern deren Folgezustand im Vordergrund des Krankheitsgeschehens steht.

Bei Insektengiftallergie ist die Behandlung dann angezeigt, wenn über die Stichstelle hinausreichende allergische Reaktionen (Nesselfieber, Atemnot, Herz-/Kreislaufbeschwerden, Bewusstlosigkeit) auftreten. Es gibt für die Behandlung sowohl Bienen- wie auch Wespengiftextrakte. Zwischen 90 und 100 Prozent der behandelten Patienten sind durch die Behandlung erfolgreich geschützt. Bei Patienten, die schwere, eventuell sogar lebensbedrohliche Reaktionen durch Nahrungsmittel erlitten haben und die das Allergen nicht sicher meiden können, weil es so häufig und oft auch "versteckt" vorkommt, ist eine Hyposensibilisierung anzustreben. Eine Nahrungsmittelallergie kann erfolgreich mit der Hyposensibilisierung behandelt werden. Problematisch ist, dass verlässliche Behandlungsextrakte kaum zur Verfügung stehen. Alternativ kann auf natürliche Nahrungsmittel ausgewichen werden, die oral verabreicht werden. So kann beispielsweise die Milchallergie mit handelsüblicher Milch behandelt werden.

Das atopische Ekzem wird durch zahlreiche verschiedene Faktoren ausgelöst. Bei einzelnen Patienten sind die wesentlichen Auslösefaktoren bestimmte Allergene, wie Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare. Es konnte in der Vergangenheit immer wieder für einzelne Patienten gezeigt werden, dass deren Erkrankung durch eine Hyposensibilisierung deutlich zu bessern war. Allerdings fehlen derzeit noch Beobachtungen an größeren Patientengruppen mit einem atopischem Ekzem, um klar sagen zu können, welche Patienten von einer solchen Behandlung profitieren können. 

Wie?

Es gibt im wesentlichen zwei unterschiedliche Möglichkeiten, die Therapielösung zu verabreichen: Sublingual/Oral: Die Therapielösung wird in den Mund genommen und dort kurz unter der Zunge belassen und später geschluckt oder wieder ausgespuckt. Die Behandlung erfolgt in der Regel täglich. Subkutan: Hier wird das Allergen durch Injektion in den Oberarm verabreicht. Die Behandlung erfolgt anfangs häufiger, entweder in täglichen oder in wöchentlichen Abständen. Wenn die Enddosis erreicht ist, wird der Behandlungsabstand auf vier Wochen ausgedehnt.

Sowohl bei sublingualer wie auch subkutaner Behandlung muss die erreichte Höchstdosis über einen längeren Zeitraum hinweg regelmäßig weiter verabreicht werden. Mindestens muss die Behandlung drei Jahre lang durchgeführt werden. Bei sehr schweren Krankheitsbildern, z.B. lebensbedrohlichen Insektenstichreaktionen, wird manchmal auch eine lebenslange Behandlung empfohlen. Was die Wirksamkeit anbetrifft, so ist die Behandlung mit Injektionen offensichtlich der sublingualen Behandlung überlegen. Bislang steht die sublinguale Behandlung nur für einige Allergene zur Verfügung.

Und Risiken und Nebenwirkungen?

Die wesentlichen Nebenwirkungen einer Hyposensibilisierung bestehen darin, dass die Zufuhr der Allergene das auslöst, was man mit der Behandlung gerade verhindern will: Es treten vor allem während der Einleitungsphase allergische Krankheitserscheinungen auf. So kommt es oft bei der Injektionsbehandlung zu Juckreiz und Schwellung an der Einstichstelle. Seltener sind Störungen des Allgemeinbefindens wie Abgeschlagenheit oder Kopfschmerzen; auch allergische Reaktionen wie Quaddeln, Atemnot, Kreislaufreaktionen oder das Auftreten von Ekzemen können vorkommen. Bei manchen Allergieformen, z.B. der Insektengiftallergie, treten derartige Reaktionen häufiger auf; daher empfiehlt sich hier auch in erster Linie die stationäre Einleitung der Behandlung.

Durch Vermeidung von bestimmten Risikofaktoren und Nachbeobachtung des Patienten kann das Risiko solcher Nebenwirkungen sehr gering gehalten werden: auch sind derartige Reaktionen meist leicht und gut behandelbar. Letztlich muß immer individuell abgewogen werden, was höher zu bewerten ist: Der Vorteil einer erfolgreich behandelten Allergiekrankheit oder die Möglichkeit, im Rahmen der Hyposensibilisierung Reaktionen zu entwickeln.

Sie haben noch weitere Fragen? Das Praxisteam beantwortet sie gern! 
Und nennt Ihnen auch die Kosten der Behandlung.

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